Feuerwehr gegen Handy
Zugang zum Gerichtssaal
Der Prozessbeginn ist an (fast) jedem Verhandlungstag für 09:30 Uhr vorgesehen. Bereits um 08:30 Uhr ist die Besucherschleuse am Haupteingang des Landgerichts gut besucht. Männer und Frauen haben jeder ihre eigene Sicherheitsschleuse. Alle elektronischen Geräte sind abzugeben und werden für Männer gegen gelbe, für Frauen gegen rosa Marken getauscht. Metallgegenstände, Jacken, Rucksäcke sind abzulegen, in eine Schale zu legen. Dann ist durch einen Metalldetektor zu gehen. Solange es dabei piept, wird man gebeten, auch noch den Gürtel, das Kleingeld etc. in die Schale zu legen. Neuer Gang durch den Metalldetektor. Wenn es nicht mehr piept, legt man nun selbstständig die Schale in den Scanner, wie am Flughafen. Und dann steht man vor einer Tür, daneben einen grünen Knopf. Den kann man jetzt aber drücken wie ein Wahnsinniger, solange die nächste Tür nicht geschlossen ist, kommt man hier nicht weiter. Viele "Neue", die das noch nie gemacht haben, verzögern das Vorankommen erheblich. Man nimmt seine Sachen aus dem Scanner wieder an sich.
Wer hauptberuflich Journalist ist und einen bundeseinheitlichen Presseausweis vorlegt, bekommt eine Sonderbehandlung. Alle anderen Journalisten müssen erst einmal ihre Geräte abgeben und können sich dann von der Leitstelle Hausrecht eine Genehmigung ausstellen lassen, die ihnen in eng begrenzten Zonen Fotoaufnahmen gestattet.
Zurück zur Schleuse um das Handy abzuholen. Doch der Justiz-Mitarbeiter bittet freundlich, das Gericht doch bitte zu verlassen und sich einfach hinten in der Schlange wieder anzustellen. Auch das Verlassen ist nicht so einfach. Es ist wieder ein Knopf zu drücken, dann öffnet sich eine Schleuse, die eine Kammer freigibt, die gerade so groß ist, dass ein Mensch darin stehen kann. Dann schließt sich die Tür wieder, eine Klappe öffnet sich und schon kann man die Kammer wieder verlassen. Marke gegen Handy getauscht, den piependen Metalldetektor passiert, wieder warten bis die hintere Tür der Schleuse zu ist und das grüne Licht leuchtet, den grünen Knopf drücken. Passieren. Warten, bis hinter einem die Tür verschlossen ist und die grüne Lampe leuchtet. Dann den zweiten grünen Knopf drücken. Endlich mit Handy im Gebäude.
Im zweiten Stock ist der Saal 273, durch den gesamten Flur davor steht bereits eine lange Schlange an Personen, die Einlass möchten. Für akkreditierte Journalisten, also solche, die schon vor Prozessbeginn ihren Wunsch geäußert haben, am Prozess teilzunehmen, gibt es wieder eine Sonderbehandlung: Sie dürfen die Warteschlange passieren und als erste in den Zuschauerraum. Nach und nach werden immer wieder Gruppen von 10 anderen Zuschauern in den Saal gelassen. Dann erfolgt wieder ein Aufruf für akkreditierte Journalisten, ein, zwei melden sich, werden vorgelassen, alle anderen warten geduldig. Um 09:30 Uhr bietet sich im Zuschauerraum folgender Füllungsgrad: 19 Plätze in der letzten Reihe, davor 5 dreigeteilte Reihen, 5 Personen jeweils links und rechts, 6 Personen mittig, also pro Reihe bis zu 16 weitere Personen, in der Mitte noch eine weitere Reihe mit 6 Personen, das sind in Summe 16*5+6+19=105 Personen im Zuschauerraum. Und wenn man Person 106 ist? Dann wird man einfach draußen stehen gelassen. Selbst, wenn alle Türen offen blieben, ist nichts zu hören, weil es zwischen der Spitze der Zuschauerschlange und dem Eingang zum Gerichtssaal mehrere Vorräume zu passieren gilt. Wenn jemand aus dem Zuschauerraum, der nicht Journalist ist, auf Toilette geht, wird er angehalten, alle seine Sachen mitzunehmen, um sich anschließend wieder hinten anzustellen, wie eine erfahrene Zuschauerin berichtet. Für Medienvertreter gibt es noch eine Medienraum. Hier saßen am 22.09.2025 acht Personen und konnten hier die Verhandlung akustisch verfolgen. Eine derartige Ton-Übertragung ist erst seit 19.04.2018 nach § 169 GVG zulässig.
Prozess-Transparenz und Datenschutz
Vor dem Gerichtssaal hängt eine Liste der Prozessbeteiligten. Vier Richter (R1, R2) werden mit Gehaltsstufe und Nachname genannt, sie nehmen alle an dem Prozess Teil, eine "nur" als Ergänzungsrichtern, sie ist die ganze Zeit dabei, wird aber erst relevant, wenn einer der drei anderen Richter ausfällt. Drei Schöffen nehmen Teil, einer "nur" als Ergänzungsschöffe. Wenn einer der ersten beiden ausfällt, wird er relevant. Drei Vertreter der Staatsanwaltschaft werden mit Namen und Gehaltsstufe (R1, R2) genannt. Die Erste Oberstaatsanwältin bekommt auf ihre R2-Besoldung von 6000-9000 Euro je nach Alter noch eine Amtszulage von etwa 300 Euro.
Die sieben Angeklagten werden alle mit vollem Namen, Geburtsdatum und Geburtsort genannt.
Bei dem geständigen Angeklagten wird angegeben, dass er sich in Haft befindet.
Die Untersuchungshaftanstalt ist direkt hinter dem Landgerichtsgebäude.
Die zehn Anwälte werden mit Nachnamen genannt, bei sechs von ihnen steht ein Doktortitel, bei einem ein Vorname.
Die drei Nebenkläger werden mit vollem Namen genannt, die beiden Kinder sind durchgestrichen, ihre beiden Anwälte auch.
Der Dolmetscher wird ebenfalls mit vollem Namen genannt und angegeben, dass er in die Sprache Hebräisch übersetzt.
Dem Nicht-Journalisten bleibt aufgrund der Abnahme aller elektronischer Geräte am Eingang nur,
Zettel und Stift zu nehmen, um alles, was ihn interessiert, händisch aufzuschreiben und abzuschreiben.
Im Prozess selbst werden viele Namen vieler weiteren Beteiligten munter genannt. Man erfährt die Namen der weiteren Kinder des Nebenklägers, man erfährt die intimsten Details auch über deren Leben.
Die Medien sind dazu berufen, nicht alle Daten in der Öffentlichkeit breit zu treten. Die nicht-gemeinsamen Kinder und die neue Ehefrau des Nebenklägers werden in der Berichterstattung zum heutigen Prozesstag nicht einmal in der Bild-Zeitung beim Vornamen genannt. Es heißt nur "seine zweite Ehefrau, eine gemeinsame Tochter und ein Stiefsohn."
Es werden auch nicht alle Mitangeklagten in den Medien (ständig) namentlich benannt. Da heißt es beispielsweise "Die Verteidigerin eines weiteren Angeklagten (steht wegen Beihilfe vor Gericht)" oder "Der mitangeklagte Mann von ... Cousine".
Beim "mitangeklagten Familienanwalt" und beim "mitangeklagten Ex-Zielfahnder" wird der Nachname abgekürzt.
Gleichzeitig sind die Namen alle im Zusammenhang zum Prozess zu ergooglen. Aber Google spuckt dann noch den Satz aus
"Einige Ergebnisse wurden möglicherweise aufgrund der Bestimmungen des europäischen Datenschutzrechts entfernt."
Einige Beteiligte mögen rechtliche Schritte eingeleitet haben, um nicht jede Berichterstattung über sich im Netz lesen zu müssen.
Besonders wenig findet man über die angeklagte Großtante der entführten Kinder, die Cousine von Christina Block, und ihren ebenfalls angeklagten Mann:
Sie soll laut Medienberichten auch die Patentante eines der entführten Kinder sein.
Wie lange darf zwischen zwei Terminen Pause sein?
Für die ersten zehn Termine schreibt § 229 StPO vor, dass nach einem Termin am nächsten Werktag nach Ablauf von 3 Wochen (im Sinne von 21 Tagen) der nächste Termin stattzufinden hat.
Mit der Pause zwischen den Freitagen 25.07.2025 und 15.08.2025 wurde die Regelung nicht ganz ausgereizt, es hätte erst am darauffolgenden Montag fortgesetzt werden müssen.
Sind zehn Prozesstage voll, darf ein Monat Pause sein. Bei besonderen Umständen wie Krankheit, Mutterschutz, Elternzeit kann die Frist noch bis zu zwei Monate gehemmt werden, im Extremfall sind so ganze drei Monate und 10 Tage Pause möglich.
Die erste in diesem Sinne relevante Pause gönnt sich das Gericht zwischen Freitag, dem 06.02.2026 09:30 bis 12 Uhr und Dienstag, dem 02.03.2026 13 bis 16 Uhr.
Wann sind die nächsten Termine?
Die Termine im Landgericht Hamburg, jeweils 09:30 Uhr bis 16 Uhr, wenn nicht anders angegeben.
Um unter den ersten 100 Personen zu sein, die auch im Saal Platz finden,
sollte man schon um 08:30 Uhr die Sicherheitsschleuse passieren
und sich dann auch alsbald im zweiten Stock anstellen.
Wenn der Saal bei Pausen von mehr als 15 Minuten geräumt wird (sitzungspolizeiliche Anordnung der Vorsitzenden Richterin), empfiehlt es sich so früh rauszugehen, dass man möglichst vorn in der Schlange steht, um auch wieder reinzukommen.
Anklageschrift vom 17.04.2025
Eröffnungsbeschluss vom 16.06.2025
1. Prozesstag 11.07.2025, 09:30 bis 13 Uhr (LTO)
2. Prozesstag 15.07.2025
3. Prozesstag 25.07.2025
4. Prozesstag 15.08.2025
5. Prozesstag 19.08.2025
6. Prozesstag 26.08.2025
7. Prozesstag 28.08.2025
8. Prozesstag 29.08.2025
9. Prozesstag 02.09.2025
10. Prozesstag 03.09.2025 (Live-Ticker bei BILD)
11. Prozesstag 22.09.2025 (Live-Ticker bei BILD) (LTO)
12. Prozesstag 23.09.2025 (Live-Ticker bei BILD) (MOPO Live-Ticker)
29.09.2025 Tag 13
01.10.2025 Tag 14
07.10.2025 Tag 15
08.10.2025 Tag 16
13.10.2025 Tag 17
15.10.2025 Tag 18
Mittwoch, den 29.10.2025, 19. Verhandlungstag LTO
30.10.2025 (ausgefallen)
06.11.2025 Tag 20 LTO
11.11.2025 Tag 21 LTO
12.11.2025 Tag 22 LTO
19.11.2025
20.11.2025 Tag 23 LTO (Astrid Have)
26.11.2025 (ausgefallen)
27.11.2025 (ausgefallen)
03.12.2025 (ausgefallen)
04.12.2025 (ausgefallen)
10.12.2025 Tag 24
11.12.2025 Tag 25 LTO
16.12.2025 Tag 26 LTO
18.12.2025 Tag 27
08.01.2026 Tag 28 LTO
13.01.2026 Tag 29 LTO
15.01.2026 (ausgefallen, Presse-Mitteilung von 08:27 Uhr)
Montag, den 19.01.2026 Tag 30 LTO
Dienstag, den 20.01.2026 Tag 31 LTO
Montag, den 26.01:2026 Tag 32 LTO
Dienstag, den 27.01.2026 Tag 33 LTO
30.01.2026 Tag 34 LTO
03.02.2026 Tag 35 LTO
06.02.2026 9:30 bis 12 Uhr Tag 36 LTO
Fast ein Monat Pause im Sinne von § 229 Absatz 2 StPO
Montag, den 02.03.2026, 13 bis 16 Uhr Tag 37 - Jugendamt-Mitarbeiterin LTO
Donnerstag, den 12.03.2026 – Tag 38 – Zwei Kripo-Beamte – LTO
Dienstag, den 17.03.2026 - Tag 39 - LKA-Gruppenleiter - LTO
Donnerstag, den 19.03.2026 - Tag 40 - Kripo-Beamter - LTO
Freitag, den 20.03.2026 - Tag 41 - Kripo-Beamte - LTO
Dienstag, den 24.03.2026 - Tag 42 - Polizei-Beamtin - beck
Donnerstag, den 26.03.2026 (abgesagt)
Freitag, den 27.03.2026 (abgesagt)
Montag, den 30.03.2026 (abgesagt um 9:52 Uhr "wegen einer persönlichen unaufschiebbaren kurzfristigen Verhinderung einer verfahrensbeteiligten Person seitens des Gericht", dessen "Hintergrund in den höchstpersönlichen Lebensbereich fällt".)
Dienstag, den 31.03.2026 - Tag 43 - Nachbarin LTO NDR
In einer Pressemitteilung vom 11.11.2025 wurden folgende weitere Termine mitgeteilt:
Dienstag, den 14. April 2026 (abgesagt am Vortrag um 12:34 Uhr mit folgender Begründung: "Zwei der Angeklagten befinden sich im Ausland und können aufgrund eines dortigen Flugstreiks morgen nicht zur Hauptverhandlung erscheinen.")
Montag, den 20. April 2026 - Tag 44 ?
Dienstag, den 21. April 2026
Montag, den 27. April 2026
Dienstag, den 28. April 2026
Montag, den 4. Mai 2026
Dienstag, den 5. Mai 2026
Mittwoch, den 20. Mai 2026
Mittwoch, den 27. Mai 2026
Donnerstag, den 28. Mai 2026
Freitag, den 29. Mai 2026
Donnerstag, den 11. Juni 2026
Freitag, den 12. Juni 2026
Montag, den 15. Juni 2026
Mittwoch, den 17. Juni 2026
Mittwoch, den 24. Juni 2026
Donnerstag, den 25. Juni 2026
Montag, den 29. Juni 2026
Dienstag, den 30. Juni 2026
In einer Pressmitteilung vom 10.02.2026 wurden folgende weitere Termine mitgeteilt:
Mittwoch, den 8. Juli 2026
Donnerstag, den 9. Juli 2026
Montag, den 27. Juli 2026
Dienstag, den 28. Juli 2026
Mittwoch, den 29. Juli 2026
Freitag, den 7. August 2026
Donnerstag, den 13. August 2026
Freitag, den 14. August 2026
Dienstag, den 18. August 2026
Mittwoch, den 19. August 2026
Donnerstag, den 20. August 2026
Dienstag, den 25. August 2026
Mittwoch, den 26. August 2026
Freitag, den 28. August 2026
Fast ein Monat Pause im Sinne von § 229 Absatz 2 StPO.
Montag, den 21. September 2026
Dienstag, den 22. September 2026
Dienstag, den 29. September 2026
Mittwoch, den 30. September 2026
Donnerstag, den 1. Oktober 2026
Montag, den 5. Oktober 2026
Dienstag, den 6. Oktober 2026
Montag, den 12. Oktober 2026
Dienstag, den 13. Oktober 2026
Mittwoch, den 14. Oktober 2026
Dienstag, den 27. Oktober 2026
Mittwoch, den 28. Oktober 2026
Montag, den 2. November 2026
Dienstag, den 3. November 2026
Freitag, den 6. November 2026
Mittwoch, den 11. November 2026
Montag, den 16. November 2026
Dienstag, den 17. November 2026
Dienstag, den 1. Dezember 2026
Freitag, den 4. Dezember 2026
Montag, den 7. Dezember 2026
Mittwoch, den 9. Dezember 2026
Freitag, den 11. Dezember 2026
Montag, den 14. Dezember 2026
Dienstag, den 15. Dezember 2026
Mittwoch, den 16. Dezember 2026
Freitag, den 18. Dezember 2026.
Damit ist keine verbindliche Aussage über die tatsächliche Verfahrensdauer getroffen.
Das Verfahren kann also durchaus auch kürzer oder länger dauern.
Landgericht Hamburg, Aktenzeichen 632 KLs 10/25, 4161 Js 1/24 (vgl. BILD)