Zwei Arbeitstage ohne Zugang: Wer über Mein Justizpostfach einreichen wollte, fand eine Wartungsmeldung vor.
10:53 Uhr Der Saal 2 ist noch belegt. Davor sitzt der gestern um 14 Uhr in Haft genommene Tatverdächtige. Um ihn herum stehen vier Polizisten, jeder hat seine Schusswaffe dabei, zwei Polizisten haben noch einen Taser dabei. Einer der vier muss immer mal irgendwo hin, um was zu klären oder auf Klo zu gehen, drei bewachen ihn durchgehend.
Die Bitte des Beschuldigten, die hinter dem Rücken angelegten Fesseln etwas lockerer zu machen, wird abgelehnt. Als der Tatverdächtige seine Füße auf den gemauerten Tisch legt, blafft ihn ein Polizist an: „Nimm den Fuß da runter. Wir sind hier im Gericht. Benimm dich mal.“
10:57 Uhr Der Anwalt des Tatverdächtigen erscheint, die Haftrichterin erscheint.
11:00 Uhr Pünktlich wird der Saal 2 von allen die zur anderen Verhandlung gehören verlassen, die wird gegenüber in Saal 5 fortgesetzt. Saal 2 wird abgeschlossen.
11:02 Uhr Die Richterin übergibt dem Anwalt den Haftbefehl auf rotem Papier.
11:04 Uhr Richterin an einen der Polizisten: „Haben Sie immer noch nicht die Fesseln abgemacht?“
Kurz darauf kommt die Richterin mit einer Justiz-Mitarbeiterin wieder, die den Saal 2 aufschließt, der Beschuldigte und der Anwalt dürfen hier allein miteinander sprechen. Vor der Tür des Saals 2, durch die sie hineingegangen sind, stehen dir vier Polizisten im Halbkreis und warten. Die andere Tür des Saals hat innen einen Knauf zum Drehen. Vor der Tür steht keiner.
Vor der Tür daneben, der zum Besprechungszimmer der Richter, die innen mit dem Saal 2 durch eine Tür verbunden ist, steht auch kein Polizist. Davor sitzen im Stuhlkreis die Richterin, die Staatsanwältin und eine Justiz-Mitarbeiterin und warten darauf, dass das Anwalts-Gespräch drinnen endet.
11:10 Uhr Die Polizistin (31) verschwindet, kommt drei Minuten später wieder und fragt dann ihre Kollegen, ob diese mit raus, eine rauchen kommen wollen.
11:14 Uhr Etwa gleichzeitig geht einer der Polizisten auf Klo
und die anderen drei Polizisten Richtung Ausgang.
Es dauert etwas, bis den drei verbliebenen Damen dämmert,
dass alle Polizisten weg sind.
Lautstark schreit eine der Damen den Polizisten hinterher:
„Was macht ihr? Kommt mal wieder!“
Nur zwei kehren zurück, die Staatsanwältin ermahnt sie eindringlich:
„Zwei müssen hier schon bleiben!“
Polizist etwas kleinlaut: „Das war ein Kommunikationsproblem.“
11:15 Uhr Die Polizistin kommt auch wieder.
„Es müssen zwei hier bleiben.“,
"Ich dachte, es sollen zwei hier bleiben."
„Es müssen zwei hier bleiben.“,
Polizistin: "Dann geh ich kurz [...], dann wechseln wir uns ab."
Der vom Klo wieder gekommene Polizist wird auch noch mal informiert,
dass mindestens zwei da bleiben müssen.
Zwischen 11:28 Uhr und 11:45 Uhr ist das Anwaltsgespräch zu Ende gegangen,
die vier Polizisten, die Staatsanwältin, die Richterin, die Justizmitarbeiterin sind auch in den Saal 2.
Um 12:09 kamen die beiden mit Tasern bewaffneten Polizisten heraus, um den Polizeiwagen ums Eck in die Tiefgarage des Amtsgerichts Kiel zu fahren, damit die bereits vor dem Gericht erschienen Presse-Fotografen keine Fotos von dem Tatverdächtigen machen können. Die Tore der Tiefgarage schlossen sich hinter dem Polizeiwagen. Die Tiefgarage ist so groß dass schon im Einfahrtsbereich der Polizeiwagen wenden kann. Um 12:15 Uhr kam der Polizeiwagen wieder heraus. (Video auf TikTok)
Die hinteren Scheiben sind so stark getönt, dass man nichts sehen konnte.
Der Verteidiger kam vorne aus dem Gericht, begab sich zu den Freunden und Angehörigen des Tatverdächtigen und verließ mit diesen zusammen den Ort.
Um 12:25 Uhr erschien dazu eine
Gemeinsame Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Kiel und der Polizeidirektion Kiel
Als die Polizei noch auf der Suche nach einem Tatverdächtigen war, schaffte sie es,
über 100 Polizisten aufzufahren, um den Weißen Riesen zu bewachen
(TAZ-Artikel vom 23.7.2026 16:37 Uhr, "Polizei statuiert ein Exempel").